Die erste Woche nach der Geburt ist eine aufregende und anstrengende Zeit. Du und dein Baby werdet euch Kennenlernen. Zur gleichen Zeit wirst du dich emotional und körperlich von der Geburt erholen. Es gibt viele Dinge, die du tun kannst, um dich an diese neue Phase des Lebens anzupassen und deinen Körper zu heilen. Scheue dich nicht davor, Hilfe von Familie, Freunden und Ressourcen in deiner Umgebung zu erbitten, wenn du sie brauchst.

Damit du dich auf diese aufregende und anstrengende Zeit vorbereiten kannst und dich so schnell wie möglich von der Geburt erholst, haben wir für dich das Wichtigste aufgelistet.

Die ersten Emotionen

1. Hole dir so viel Schlaf wie du kannst.

Dein Baby wird alle 2-4 Stunden zum Trinken aufwachen. Der beste Weg, um Schlaf zu bekommen, ist zu schlafen, wenn dein Baby schläft. Dies bedeutet, dass du dein Schlafdefizit durch Nickerchen während des Tages ausgleichen musst. Wenn du genug Ruhe hast, wird dein Körper auch genug Milch produzieren. Du wirst dich wahrscheinlich körperlich von der Anstrengung der Geburt erschöpft fühlen und auch emotional erschöpft sein. Das ist normal und du wirst dich besser fühlen, wenn dein Körper Zeit zum ausruhen und heilen hat. Wenn du ältere Kinder hast, die ebenfalls Aufmerksamkeit und Aufsicht benötigen, solltest du Familienmitglieder oder Freunde darum bitten, auf deine Kinder aufzupassen.


2. Ermutige deinen Partner, dir zu helfen.

Denn dein Partner ist sich vielleicht nicht sicher, was er tun kann. Es kann auch sein dass er sich ausgeschlossen fühlt, wenn ihr kein Familienzimmer habt, in dem er mit dir und dem Baby im Krankenhaus übernachten kann. Am besten du gibst ihm genügend Zeit, um mit dem Baby zu kuscheln. Sprich mit deinem Partner darüber, wie du dich nach der Geburt fühlst, da dein Leben und auch dein Körper eine große Veränderung durchmachen.  Dein Partner kann auch die Windel des Babys wechseln, das Baby baden oder ankleiden. Bitte deinen Partner außerdem, eure anderen Kinder zu beaufsichtigen, solltet ihr welche haben. Wenn das ältere Kind groß genug ist, kann dein Partner dem Geschwisterchen erklären, wie man das Baby hält um die Bindung der beiden zu festigen.

3. Erkenne den „Baby-Blues“

Viele Frauen fühlen sich drei bis fünf Tage nach der Geburt traurig und erschöpft und müssen viel weinen. Dies kann aufgrund der hormonellen Veränderungen passieren, die der Körper durchmacht.
Besonders anfällig für den Baby-Blues ist man, wenn man sehr müde ist, die Geburt schwierig war oder die eigene Genesung verhindert, dass man sich um sein Baby kümmern kann. Der Baby Blues ist normal und geht nach ein bis zwei Wochen von ganz alleine weg.

Die Symptome umfassen: Extreme Emotionalität, irrationales Handeln, Weinen ohne Grund oder jegliche Ursache, schnelle  Gereiztheit, Angst, depressive Stimmungen, Stress oder Appetitverlust.

4. Die Postpartum Depression

Eine Postpartale Depression unterscheidet sich vom „Baby-Blues“, weil diese schwerwiegender ist und länger dauert als ein oder zwei Wochen. Sie beginnt in der Regel zwei Wochen bis zwei Monate nach der Geburt des Babys, aber es kann auch früher oder sogar ein Jahr nach der Geburt beginnen. Eine von zehn Frauen und vier von zehn jugendlichen Müttern können postpartale Depressionen erleben. Wenn du denkst, dass du unter einer Wochenbettdepression leidest oder wenn ein Freund oder Familienmitglied der Meinung ist, sprich mit jemandem, dem du vertraust, und kontaktiere deinen Arzt.

An diesen Symptomen kannst du erkennen, ob du unter einer Depression leidest:

  • Desinteresse am Baby
  • Weinen
  • Lustlosigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Das Gefühl, dass du nicht zurechtkommst
  • Gedächtnisverlust
  • Angst oder Panikattacken
  • Erschöpfung
  • Schlaflosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Posttraumatische Belastungsstörungen können auch nach einer schmerzhaften oder schwierigen Geburt auftreten.

5. Gib dir Zeit, um dich an die neue Situation zu gewöhnen und dein Baby kennenzulernen.

Es mag doof klingen, aber nicht alle Frauen spüren Liebe auf den ersten Blick, wenn sie ihr Baby sehen. Das ist aber ganz normal. Nimm dir Zeit für die Bindung. Das macht dich nicht zu einer schlechten oder unfähigen Mutter. Die Liebe wird kommen, wenn du dich mit der Zeit an dein Baby bindest. Du kannst deinem Baby immer noch alles geben, was es benötigt. Ganz wichtig: solltest du bereits ein oder mehrere Kinder haben, beziehe dieses in den Bindungsprozess mit ein. Erkläre dem älteren Kind, dass es jetzt ein großer Bruder oder eine große Schwester sein wird und dass das jüngere Kind zu ihm aufblicken wird.

6. Trete einer Muttergruppe bei

Dies ermöglicht es dir, Unterstützung von Frauen zu bekommen, die den selben Prozess durchlaufen wie du selbst. Du wirst in der Lage sein: Tipps zum Stillen auszutauschen und alltägliche Situationen und vor allem Herausforderungen zu besprechen, die Teil deiner neuen Lebensphase sind. Das wichtigste jedoch: Du wirst neue Freunde machen. Hole dir die Unterstützung, die dir helfen wird, gegen postpartale Depression anzukämpfen.

7. Bitte andere um Hilfe, wann immer du sie benötigst.

Die erste Woche nach der Geburt ist eine Zeit, in der du dich natürlich überwältigt fühlen wirst. Schon wenig Hilfe von Freunden und Familie kann viel dazu beitragen, die Dinge überschaubarer zu machen und dir Zeit zu geben, dich auch um dich selbst kümmern zu können. Wie zum Beispiel Freunde, die dir Mahlzeiten bringen, damit du nicht kochen musst. Oder alternativ Freunde oder Verwandte, die für ein paar Tage bei dir einziehen um dir im Haushalt zu helfen. Du kannst auch Lebensmittel einfrieren, so dass du für einige Tage nicht kochen musst.

Dein Körper und seine Veränderung

8. Nehme die Veränderungen, die dein Körper durchmacht wahr.

Dein Körper heilt und passt sich gleichzeitig an, dass er das Baby nicht mehr in sich trägt.
Dein Bauch wird sich locker und ausgebeult fühlen, weil sich die Muskeln und die Haut ausgedehnt haben. Er wird langsam wieder normal. Stillen hilft deiner Gebärmutter, sich zusammenzuziehen. Wenn du Krämpfe spürst, die sich ähnlich anfühlen wie Regelschmerzen,  könnte dies der Grund sein. Wenn es sehr unangenehm ist, informiere bitte deinen Arzt.

9. Um mögliche vaginale Blutungen zu absorbieren, hilft es, Einlagen zu tragen.

Mit der Zeit wird die Nachblutung brauner und dann heller. Am Ende kann diese gelblich oder weiß sein. Dies kann sechs Wochen dauern. Rufe deinen Arzt an, wenn du Fieber hast und große Blutklumpen wahrnimmst oder wenn es schlecht riecht. Du solltest auch den Arzt anrufen, wenn du länger als zwei Stunden hintereinander mehr als eine große Einlage benötigst.  Du kannst auch postpartale Badetees kaufen. Dies sind Mischungen von Heilkräutern, die du in die Badewanne mischen kannst. Benutze keine Tampons, weil das Gewebe heilt. Bitte verwende keine Tampons, denn diese erhöhen das Risiko einer Infektion.

10. Bei Frauen mit Dammschnitt: Bade deine Wunde nach einem Dammschnitt in warmen Wasser.

Wenn er gerissen ist oder geschnitten wurde, um dem Baby zu helfen (Episiotomie), haben die Ärzte dich möglicherweise mit Stichen vernäht. Die meisten Krankenhäuser geben dir eine „Peri-Flasche“, die du mit warmem Wasser auffüllen kannst, um nach dem Urinieren deinen Damm zu spülen. Dadurch wird das Gebiet um die Wunde sauber gehalten. Wenn es unangenehm ist, setze dich vorsichtig hin und lege dich auf deine Seite anstatt auf deinen Rücken. Du kannst auch einen gepolsterten Ring kaufen, auf dem du sitzen kannst. Das verringert den Druck um deine Vagina herum. Wenn du stillen solltest, spreche mit deinem Arzt, bevor du Schmerzmittel einnimmst, dazu gehören auch nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel. Dein Arzt wird dir sagen können, welche Medikamente für dein Baby während der Stillzeit sicher sind oder nicht. Wenn die Stiche beim Stuhlgang schmerzen, kannst du ein sauberes Pad darüber halten, um sie zu schützen. Versuche nicht, zu stark zu drücken, wenn du Stuhlgang hast.
Iss frische Produkte, Salate und Vollkornbrot, um deine Ballaststoffaufnahme zu erhöhen. Dies hilft, damit der Stuhl weich bleibt. Trinke zusätzlich viel Wasser. Wenn dies nicht ausreicht, kann dir dein Arzt Stuhlweichmacher verschreiben. Die Fäden lösen sich normalerweise von selbst auf und müssen in der Regel nicht entfernt werden. Wende dich an deinen Arzt, wenn sich der Schmerz verschlimmert oder wenn sich der Schnitt entzündet oder sich Eiter bilden sollte.

11. Mache dir keine Sorgen, wenn du nach der Geburt etwas inkontinent bist, d.h. wenn deine Blase sehr schwach ist.

Nach der Geburt klagen viele Frauen darüber, dass sie etwas Urin verlieren können, wenn sie lachen oder husten. Es mag verlockend sein, weniger Wasser zu trinken, damit du nicht so oft auf die Toilette gehen musst, aber das solltest du auf keinen Fall tun. Denn eine Dehydration ist gerade nach der Geburt das letzte was du möchtest. Dein Körper braucht mehr Wasser denn je, um genug Milch produzieren zu können. Trinke mindestens acht große Gläser Wasser pro Tag.

Beckenboden- oder Kegel-Übungen helfen dir dabei, die Muskeln wieder in Form zu bringen. Sobald du geheilt bist, kannst du mit den Übungen beginnen. Ziehen die Beckenbodenmuskeln an, so als würdest du den Durchfluss von Urin in der Mitte stoppen und dann schnell wieder freigeben. Wiederhole dies mehrmals. Nach einigen Tagen kannst du bereits mehrere Wiederholungen machen. Du kannst auch Wiederholungen ausführen, bei denen du 10 Sekunden lang drückst und hältst.

Kontaktiere sofort deinen Arzt, wenn du Anzeichen einer Harnwegsinfektion hast. Ein Indiz dafür ist z.B. das ständige Gefühl, dass du auf die Toilette musst oder ein schmerzhaftes, brennendes Gefühl beim Wasserlassen.

Richtig stillen

12. Du kannst anhand von Anzeichen erkennen, ob dein Baby Hunger hat.

Kurz nach der Geburt wird das Baby sehr häufig trinken wollen, oft sogar einmal pro Stunde. Die erste Milch, die der Körper produziert, wird Kolostrum genannt. Diese ist oft leicht gelb und sehr konzentriert. Dein Baby wird wahrscheinlich nur etwa einen Teelöffel zu jeder Mahlzeit trinken. Ob dein Baby Hunger hat, merkst du wenn es seinen Kopf hin und her bewegt und nach der Brust sucht, wenn es Saugbewegungen macht oder schreit. Viele Babys saugen auch an ihren Fingern.

13. Hilf deinem Baby dabei, zu trinken.

Es wird in den ersten Tagen Schwierigkeiten damit haben, die Brustwarze zu finden. Durch die richtige Position kann dein Baby leichter gestillt werden. Du kannst es so nahe halten, dass die Nase an der Brust liegt und den Mund vorsichtig und sanft zu deiner Brustwarze führen.

14. Probiere verschiedene Stillpositionen aus.

Dies wird dir helfen, herauszufinden, was am besten für dich und dein Baby funktioniert. Solche Positionen können sein:

1 Wiegehaltung: Die Wiegehaltung ist die beliebteste Stillposition. Sie funktioniert fast überall.

Sie eignet sich sehr gut für Mütter und Babys, die Erfahrung beim Stillen haben. Sie ist etwas schwierig für Anfänger, da die Mutter das Baby beim Anlegen nicht optimal stützen kann.

  1. Stelle sicher, dass die Nasenspitze des Babys auf deine Brustwarze zeigt. Um in dieser Position anzulegen, muss das Baby seinen Kopf leicht nach hinten neigen. So kann es einfacher schlucken und atmen.
  2. Formen Sie Ihre Brust mit Ihrer freien Hand dem Mund Ihres Babys entsprechend.

Lege dein Baby möglichst nicht durch Anheben am Hinterkopf an die Brust an. Dadurch wäre zum einen seine Nase nicht mehr frei und zum anderen hättest du keinen Blickkontakt zu deinem Baby. Die Lippen Ihres Babys sollten nach außen gestülpt sein.

2 Kreuzhaltung: In der Kreuzhaltung kannst du dein Baby während der Lernphase optimal stützen. Sobald das Baby gelernt hat, richtig anzulegen, wechseln Mütter meist in die Wiegehaltung.

  1. Nehme das Baby wie auf dem Bild gezeigt in den Arm. Deine Hand stützt dabei den Kopf, dein Unterarm den Rücken. Wenn du dein Baby im rechten Arm hältst, fütterst du es mit der linken Brust und umgekehrt.
  2. Forme deine Brust von unten mithilfe der freien Hand. Deine geformte Brust und der Mund des Babys sind wie füreinander gemacht.

Sobald das Baby angelegt ist und trinkt, kannst du es in den anderen Arm nehmen und in die Wiegehaltung wechseln.

3 Rückenhaltung: In dieser Position ist das Baby beim Anlegen optimal gestützt: Du kannst es einfach an die Brust legen und kannst dabei das gesamte Gesicht sehen.

Dies ist eine sehr gute Haltung für nervöse Babys. Da du das Baby sehr eng an deinem Körper hältst, fühlt es sich sicher.

Die Position eignet sich auch gut zum Stillen schläfriger Babys. Positionieren Sie Ihr Baby einfach so, dass es fast neben Ihnen sitzt.

  1. Ihr Baby liegt auf Ihrem linken Arm, wenn Sie es mit der linken Brust stillen, und auf Ihrem rechten Arm, wenn Sie es mit der rechten Brust füttern.
  2. Ihre Hand stützt den Kopf, Ihr Unterarm den Rücken.
  3. Die Füße Ihres Babys befinden sich zwischen Ihrem Rücken und der Rückenlehne des Stuhls. Der Körper Ihres Babys ist um 90° gebeugt.

4 Seitenlage: Dies ist eine bequeme Position, die stillerfahrene Mütter gerne nachts verwenden. Für Anfänger ist diese Position etwas schwieriger.

  1. Lege dein Baby Bauch an Bauch an deine Seite.
  2. Es sollte etwas unterhalb der Brust liegen (deine Brustwarze sollte die Nasenspitze Ihres Babys berühren). Stütze den Rücken deines Babys mit einem Handtuch oder Kissen.
  3. Dein Baby spürt die Brustwarze und wird sich automatisch strecken, um sie zu erreichen. Auf diese Weise zeigt die Nase von der Brust weg, wodurch das Baby frei atmen und richtig schlucken kann. Außerdem haben Mutter und Baby Blickkontakt.

– am allerbesten ist es, das Baby in sein eigenes Bett zurückbringen, wenn ihr beide wieder schlafen geht.

Quelle Abbildung: https://www.1000tage.de/stillzeit/wissen-tipps-und-austausch/wissen/die-richtige-stillposition-finden-108387

15. Versuche eine Stillroutine zu entwickeln.

Nach einigen Tagen wird dir auffallen, dass deine Brüste wärmer und großer werden.  Wenn dein Baby größere Milchmengen trinkt, produziert dein Körper mehr. Das Babygeführte Stillen bedeutet dass du genau so lange stillst, wie dein Baby trinken möchte. Du solltest sowohl tagsüber als auch nachts stillen. Denn eigentlich ist die Muttermilch für das Baby am gesündesten, es können und wollen jedoch nicht alle Frauen stillen. Es gibt mittlerweile jedoch Alternativen, um deinem Kind die Nährstoffe zu geben, die es braucht.
Ob dein Baby satt geworden ist kannst du daran erkennen, wenn es nach dem stillen zufrieden ist, es an Gewicht zunimmt, mindestens sechs Mal pro Tag uriniert und zweimal täglich gelben Stuhl abgibt.

16. Bitten ruhig andere um Hilfe, wenn du nicht so gut zurecht kommst.

Es kann eine Weile dauern, bis du und dein Baby herausfindet, welche Techniken für euch am besten funktionieren. Wenn du Schwierigkeiten hast, gibt es viele Personen, an die du dich wenden könntest: vielleicht hast du unter deinen Freunden oder Familie eine erfahrene Mutter, die dir Tipps geben kann. Zudem hast du Anspruch auf eine Hebamme, die dich in den ersten Wochen unterstützen sollte.

Du siehst, es gibt viel zu entdecken. Die Zeit nach der Geburt ist mindestens so aufregend wie die Schwangerschaft. Dein Körper macht sehr viele Veränderungen mit aber das ist ganz normal. Wir hoffen sehr dass wir dir mit unseren Tipps den Alltag mit Baby und die Kennenlernphase erleichtern können.